Handfeste Infos für (ungewollt) Schwangere

Schwanger?

Sie hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr? Die Regelblutung läßt auf sich warten? In so einer Situation fragen sich viele Frauen: Woran erkenne ich, ob ich schwanger bin?

Ab dem ersten Tag nach dem Ausbleiben der Periode können Sie einen handelsüblichen Schwangerschaftstest durchführen. Dieser wird in allen Apotheken und Drogerien angeboten. Kosten: zwischen drei und zehn Euro.

Sie können diesen auch durch uns kostenfrei zugeschickt bekommen. Die sogenannten Frühschwangerschaftstests können schon vor dem Ausbleiben der Periode gemacht werden, sind aber nicht ganz so zuverlässig.

Körperliche Anzeichen für eine Schwangerschaft können gemeinsam oder einzeln auftreten. Folgende Anzeichen sind häufig, aber nicht jede Frau spürt sie:

  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Ausfluß
  • Schwindelgefühle
  • Heißhunger
  • das Ausbleiben der Periode
  • das Anschwellen der Brüste oder Schmerzen in den Brüsten

Nur ein Schwangerschaftstest und ein anschließender Besuch beim Gynäkologen geben Sicherheit über das Bestehen einer Schwangerschaft!

Abtreibung

Abtreibung? Bis wann?

Eine Abtreibung ist für alle Beteiligten strafbar. Es gelten jedoch folgende Ausnahmen, nach denen eine Abtreibung zwar rechtswidrig, aber straffrei ist:

Beratungsregelung:

Über 95% aller Abtreibungen finden nach der Beratungsregelung statt. Voraussetzungen dafür sind:

  • Eine Beratungsbescheinigung einer staatlich anerkannten Beratungsstelle. Nach der Beratung muß eine dreitägige Bedenkfrist eingehalten werden.
  • Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wochen verstrichen sein (14 Wochen gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung).
  • medizinische Indikation: Diese ist erfüllt, wenn eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Mutter besteht. Wenn bei einer vorgeburtlichen Untersuchung eine mögliche (schwere) Fehlbildung des Fötus festgestellt wird, kann dies als Grund für eine seelische Beeinträchtigung der Mutter angesehen werden. In diesen Fällen gibt es eine Beratungspflicht und eine vorgeschriebene dreitägige Frist zwischen Diagnose und Abtreibung.
  • kriminologische Indikation: Diese ist gegeben, wenn die Schwangerschaft durch eine Sexualstraftat zustande gekommen ist, dass heißt: wenn ein Kind oder eine widerstandsunfähige Person sexuell missbraucht wurde, oder wenn die Schwangere vergewaltigt oder sexuell genötigt wurde. Auch hier dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als 12 Wochen verstrichen sein.

Abtreibungskosten:

Die Abtreibungskosten betragen in den ersten drei Monaten zwischen 360 und 460 €. Je nach Bundesland und gewählter Abtreibungsmethode variieren die Kosten stark. Abtreibungen nach der medizinischen Indikation (Gefahr für die Gesundheit der Mutter) und nach kriminologischer Indikation (Vergewaltigung) werden von den gesetzlichen Kostenträgern übernommen.

Abtreibungen nach der Beratungsregelung müssen selbst bezahlt werden. Bei Frauen mit geringem Einkommen werden die Kosten ebenfalls übernommen.

Abtreibungsmethoden:

Bei den Abtreibungsmethoden beziehen wir uns auf die zwei gängigsten Methoden, die in Deutschland angewandt werden:

  • chirurgisch (Absaugung) unter örtlicher Betäubung, bzw. unter Vollnarkose
    Bei dieser Methode wird der Muttermund betäubt und dann gedehnt. Diese Dehnung ist nötig, damit der Arzt ein Absaugröhrchen, welches an einer Absaugpumpe angeschlossen ist, in die Gebärmutter einführen kann.

    Mittels dieses Absaugröhrchens werden der Embryo und die Plazenta in eine Auffangflasche abgesaugt. Mit einem Ultraschall wird nachgeprüft, ob alle Teile entfernt worden sind. Mit dieser Methode werden ca. 70% aller Abtreibungen in Deutschland durchgeführt. Sie kann bis zur 12. SSW vorgenommen werden.

  • medikamentös mit Mifegyne („Abtreibungspille“)
    Mifegyne verhindert die Wirkung von Progesteron, einem Gelbkörperhormon, das für den Erhalt einer Schwangerschaft notwendig ist.

    Nach der Einnahme öffnet sich der Muttermund. Zwei Tage später wird ein prostaglandinhaltiges Mittel eingenommen. Dieses bewirkt, dass sich die Gebärmutterschleimhaut zusammenzieht, woraufhin der Embryo stirbt und ausgestoßen wird.

    Was folgt, sind mehrtägige, oft starke schmerzliche Blutungen. Mifegyne kann nur unter Aufsicht von Ärzten eingenommen werden.

    Diese Methode kann rechtlich bis zur 9. SSW angewandt werden, die meisten Ärzte wenden sie jedoch nur bis zur 7. SSW an, da danach oft noch eine Ausschabung vorgenommen werden muss.

    Mit dieser Methode werden ca. 20% aller Abtreibungen in Deutschland durchgeführt.

    Bei Spätabtreibungen nach der 12. SSW ist die Absaugmethode meist nicht mehr möglich, da der Fötus zu groß ist. Hier wird mittels einer Fasszange der Fötus in Teilen entfernt, anschließend folgt eine Nachkürettage (Ausschabung).

    Bei den meisten Spätabtreibungen wird im Krankenhaus eine Frühgeburt eingeleitet.

Lass dir Zeit, lass dich von keinem drängen, überlege in Ruhe, lass dich nicht unter Druck setzen.

Minderjährig & Abtreibung

Dein Schwangerschaftstest war positiv, Du bist aber selbst noch minderjährig? Vielleicht bist Du jetzt ratlos, verzweifelt. Du hast genug Probleme mit Deinen Eltern, mit der Schule, mit dem Freund, und jetzt bist Du auch noch schwanger?

Zunächst ist es wichtig, dass Du jemanden hast, dem Du Dich anvertrauen kannst. Ein Gespräch mit einer Vertrauensperson kann Dir helfen, den ersten Schock zu überwinden und in Ruhe weiter zu überlegen.

Du stehst vor einer der größten Herausforderungen in Deinem Leben: Du wirst vor die Wahl gestellt, Dich für oder gegen Dein Kind zu entscheiden. Möglicherweise werden viele Menschen versuchen Dir einzureden, was jetzt das Beste für Dich ist.

Egal wie Du Dich entscheiden solltest, Deine Entscheidungen werden Einfluß auf Dein späteres Leben haben. Daher ist es sehr wichtig, dass Du Dich auch gut über das Für und Wider aller Entscheidungsmöglichkeiten und deren Folgewirkungen informierst, sowohl hinsichtlich des Gedankens an eine Abtreibung oder an ein Leben mit dem Kind.

Das Erarbeiten einer wirklich guten Alternative, auf dich zugeschnitten, braucht Zeit. Deshalb ist es nicht sinnvoll, deine Entscheidung innerhalb von wenigen Stunden zu treffen.

Wir sind an Deiner Seite. Wir unterstützen Dich. Wir hören Dir zu.

Ungewollt Vater

Ihre Partnerin oder Ex-Partnerin ist schwanger? Sie wissen nicht, was sie tun sollen?

Vielleicht steht bei Ihnen der Beruf zur Zeit im Vordergrund. Oder Sie fühlen sich noch nicht bereit für ein Kind. Vielleicht läuft auch ihre Beziehung nicht mehr so, dass Sie sich eine Familie vorstellen können.

Manche Männer fragen sich: Bin ich überhaupt der Vater? Sie könnten sich ohnmächtig fühlen, weil die Mutter alleine über ihre Schwangerschaft entscheidet. Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ohne mitreden zu können.

Bei Männern, die ungewollt Väter werden, kommt es oft zu Gefühlen von Angst, Wut, Panik oder auch Traurigkeit und Ohnmacht. Aber auch Neugier und Freude können mitschwingen. Wenn Sie völlig durcheinander sind, brauchen Sie einen geduldigen, vertrauenswürdigen Ansprechpartner, um sich erstmal wieder zu sortieren und zu einer tragfähigen eigenen Position zu finden.

Versuchen Sie vor allem die Ruhe zu bewahren! Wir hören zu. Wir helfen.

Finanzielle Hilfen

Für Schwangere gibt es vom deutschen Staat ein großes finanzielles Unterstützungsangebot. Aber auch finanzielle Hilfen von privaten Trägern und Vereinen sind vielfältig vorhanden. Gerne beraten und begleiten wir Sie, um Sie in dieser Angelegenheit zu unterstützen.

Informationen & Beratung