Abtreibung

Abtreibung? Bis wann?

Eine Abtreibung ist für alle Beteiligten strafbar. Es gelten jedoch folgende Ausnahmen, nach denen eine Abtreibung zwar rechtswidrig, aber straffrei ist:

Beratungsregelung:

Über 95% aller Abtreibungen finden nach der Beratungsregelung statt. Voraussetzungen dafür sind:

  • Eine Beratungsbescheinigung einer staatlich anerkannten Beratungsstelle. Nach der Beratung muß eine dreitägige Bedenkfrist eingehalten werden.
  • Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wochen verstrichen sein (14 Wochen gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung).
  • medizinische Indikation: Diese ist erfüllt, wenn eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Mutter besteht. Wenn bei einer vorgeburtlichen Untersuchung eine mögliche (schwere) Fehlbildung des Fötus festgestellt wird, kann dies als Grund für eine seelische Beeinträchtigung der Mutter angesehen werden. In diesen Fällen gibt es eine Beratungspflicht und eine vorgeschriebene dreitägige Frist zwischen Diagnose und Abtreibung.
  • kriminologische Indikation: Diese ist gegeben, wenn die Schwangerschaft durch eine Sexualstraftat zustande gekommen ist, dass heißt: wenn ein Kind oder eine widerstandsunfähige Person sexuell missbraucht wurde, oder wenn die Schwangere vergewaltigt oder sexuell genötigt wurde. Auch hier dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als 12 Wochen verstrichen sein.

Abtreibungskosten:

Die Abtreibungskosten betragen in den ersten drei Monaten zwischen 360 und 460 €. Je nach Bundesland und gewählter Abtreibungsmethode variieren die Kosten stark. Abtreibungen nach der medizinischen Indikation (Gefahr für die Gesundheit der Mutter) und nach kriminologischer Indikation (Vergewaltigung) werden von den gesetzlichen Kostenträgern übernommen.

Abtreibungen nach der Beratungsregelung müssen selbst bezahlt werden. Bei Frauen mit geringem Einkommen werden die Kosten ebenfalls übernommen.

Abtreibungsmethoden:

Bei den Abtreibungsmethoden beziehen wir uns auf die zwei gängigsten Methoden, die in Deutschland angewandt werden:

  • chirurgisch (Absaugung) unter örtlicher Betäubung, bzw. unter Vollnarkose
    Bei dieser Methode wird der Muttermund betäubt und dann gedehnt. Diese Dehnung ist nötig, damit der Arzt ein Absaugröhrchen, welches an einer Absaugpumpe angeschlossen ist, in die Gebärmutter einführen kann.

    Mittels dieses Absaugröhrchens werden der Embryo und die Plazenta in eine Auffangflasche abgesaugt. Mit einem Ultraschall wird nachgeprüft, ob alle Teile entfernt worden sind. Mit dieser Methode werden ca. 70% aller Abtreibungen in Deutschland durchgeführt. Sie kann bis zur 12. SSW vorgenommen werden.

  • medikamentös mit Mifegyne („Abtreibungspille“)
    Mifegyne verhindert die Wirkung von Progesteron, einem Gelbkörperhormon, das für den Erhalt einer Schwangerschaft notwendig ist.

    Nach der Einnahme öffnet sich der Muttermund. Zwei Tage später wird ein prostaglandinhaltiges Mittel eingenommen. Dieses bewirkt, dass sich die Gebärmutterschleimhaut zusammenzieht, woraufhin der Embryo stirbt und ausgestoßen wird.

    Was folgt, sind mehrtägige, oft starke schmerzliche Blutungen. Mifegyne kann nur unter Aufsicht von Ärzten eingenommen werden.

    Diese Methode kann rechtlich bis zur 9. SSW angewandt werden, die meisten Ärzte wenden sie jedoch nur bis zur 7. SSW an, da danach oft noch eine Ausschabung vorgenommen werden muss.

    Mit dieser Methode werden ca. 20% aller Abtreibungen in Deutschland durchgeführt.

    Bei Spätabtreibungen nach der 12. SSW ist die Absaugmethode meist nicht mehr möglich, da der Fötus zu groß ist. Hier wird mittels einer Fasszange der Fötus in Teilen entfernt, anschließend folgt eine Nachkürettage (Ausschabung).

    Bei den meisten Spätabtreibungen wird im Krankenhaus eine Frühgeburt eingeleitet.

Lass dir Zeit, lass dich von keinem drängen, überlege in Ruhe, lass dich nicht unter Druck setzen.

Posted in: Handfeste Infos für ungewollt Schwangere

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